Die Millenniums-Entwicklungsziele
im Südlichen Afrika



Südafrika

Ziel 1: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

Beim "Human Poverty Index" nimmt Südafrika lediglich Platz 56 von 103 bewerteten Ländern ein, ein Indiz dafür, dass es den Armen in Südafrika deutlich schlechter geht, als das durchschnittliche Prokopfeinkommen erwarten ließe. Zur weit verbreiteten Armut trägt die Arbeitslosigkeit wesentlich bei. Die Jugendarbeitslosigkeit lag 2001 bei 55,8%. Die Armut trifft Schwarze weiterhin sehr viel stärker als Weiße. 91,1% der 21,9 Millionen Armen im Jahre 2001 gehörten zur schwarzen Bevölkerung. Der Anteil der Menschen, die unterhalb der offiziellen Armutsgrenze leben, hat sich von 1995 bis 2002 von 51,1 auf 48,5% vermindert, ein kleiner Schritt in Richtung auf die Erreichung des Millenniumsziels. Als Folge des Bevölkerungswachstums hat sich die Zahl der Armen in dieser Zeit allerdings um 1,7 Millionen Menschen erhöht. Die Regierung versucht der Verarmung durch Sozialhilfeprogramme entgegenzuwirken, von denen 10 Millionen Menschen profitieren. Ein hohes Bevölkerungswachstum und eine Landflucht aus den verarmten und trockenen Regionen lassen trotzdem befürchten, dass sich die Slumbevölkerung von 2001 bis 2008 auf 2,4 Millionen Menschen mehr als verdoppeln wird.

Es gibt Hunger und Mangelernährung in Südafrika, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in manchen anderen afrikanischen Ländern. Mangelernährung in ländlichen Gebieten ist ein Resultat der Vertreibung von Millionen schwarzer Familien aus fruchtbaren Gebieten und ihre Ansiedlung in semi-ariden Landesteilen. Fast 14 der 16 Millionen Bewohner der ländlichen Gebiete Südafrikas leben in den früheren "Homelands", den vom Apartheidregime bestimmten wenig fruchtbaren trockenen Gebieten weit weg von den fruchtbaren Ackerbau- und Weinbaugebieten. Eine Umverteilung des Landes ist zur Überwindung der sozialen Kluft zwischen Schwarz und Weiß sowie zum Erreichen einer Ernährungssicherheit für die ganze Bevölkerung dringend erforderlich. Ziel der Regierung ist es, 30% des produktiv nutzbaren Farmlandes von weißen an schwarze Farmerfamilien zu übertragen. Bis 2003 waren nach Angaben des zuständigen Ministers aber erst 7% des vorgesehenen Landes an schwarze Bauernfamilien gelangt. Der Anteil schwarzer Familien am Landbesitz hat sich seit 1994 lediglich von 13% auf 16% erhöht. Die Unzufriedenheit armer schwarzer Familien in ländlichen Gebieten ist also verständlich. Die Regierung ist enttäuscht darüber, dass weiße Farmer nur selten ihr Land zum Verkauf anbieten und dann sehr hohe Preise fordern. Deshalb wird eine Beschleunigung des Verfahrens der Landumverteilung angestrebt. Vizepräsidentin Phumzile Mlambo Ngcuka sagte Ende Juli 2005 bei einer nationalen Landkonferenz, das Prinzip "willing seller, willing buyer" habe die Geschwindigkeit der Landumverteilung negativ beeinflusst. Er fügte hinzu: "Es besteht die Notwenigkeit, einen neuen Weg der Umverteilung zu entwickeln." Ein weiteres Problem neben dem Tempo der Umverteilung bildet die Tatsache, dass bei dem Prinzip "willing seller, willing buyer" der arme Teil der ländlichen Bevölkerung kaum Chancen sieht, zu Land zu kommen. Im jüngsten "Social Watch Report South Africa" heißt es hierzu: "Diese Anforderung entmutigt arme Menschen, denn es ist unwahrscheinlich, dass sie das erforderliche Eigenkapital aufbringen können, um in die Landwirtschaft einzusteigen." Will Südafrika das Millenniumsziel der Überwindung von extremer Armut und Mangelernährung erreichen, ist rasch eine grundlegende Landreform erforderlich.

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