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Sambia
Ziel 1: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers
1991 lebten 58,2% der Menschen in Sambia nach offiziellen Schätzungen unterhalb der nationalen Armutsgrenze. 1998 waren es 58,0%. In den ländlichen Gebieten betrug der Anteil der Armen sogar 71%. Neuere Zahlen der Regierung liegen nicht vor, aber es spricht viel dafür, dass die Verarmung noch zugenommen hat. Im internationalen Vergleich stehen die Armen Sambias besonders schlecht da. Auf dem "Human Poverty Index" kommt Sambia nur auf Platz 90 von 103 bewerteten Ländern. Dazu hat die verfehlte Liberalisierungspolitik, die vom Internationalen Währungsfonds verordnet worden war, wesentlich beigetragen. Über Nacht wurden die staatlichen Angebote für Landwirtschafts-Inputs, Kredite, Subventionen und Marketingunterstützung beendet. Die Hoffnung, dass der Privatsektor diese Lücke umgehend mit eigenen Angeboten füllen würde, erfüllte sich nicht. So brach zum Beispiel das ländliche Kreditsystem völlig zusammen, weil die privatisierten Banken keinerlei Interesse zeigten, arbeitsaufwendige und riskante Kredite an Bauernfamilien zu vergeben. Im Juni 2005 befasste sich der BBC-Korrespondent Marc Doyle mit den Auswirkungen der Liberalisierungspolitik auf Sambia: "Zum Beispiel ist die einheimische Textilindustrie unter dem Druck billiger Importe aus Asien und dem Handel mit Second-Hand-Kleidung aus Europa zusammengebrochen ... Jeder, mit dem ich in Sambia sprach, sagte mir, dass die Arbeitslosigkeit sich als Ergebnis der Liberalisierungs- und Privatisierungsmaßnahmen erhöht hat, die 1991 eingeführt wurden." Die gegenwärtige Regierung ist skeptisch im Blick auf eine solche Liberalisierungspolitik, aber die Verarmung der ländlichen Bevölkerung lässt sich nur schwer rückgängig machen. Henry Machina, Programmkoordinator der Zambia Land Alliance, sagte 2004 in einem Interview im Blick auf Subventionen für die Landwirtschaft: "Es ist nicht notwendigerweise schlecht, wenn sie armen Menschen ermöglichen, sich von der Armut zu befreien ... Wenn europäische Länder und die Vereinigten Staaten seit vielen Jahren ihren Bauern Subventionen gezahlt haben (und weiter zahlen), warum sollte dann Sambia daran gehindert werden, dies auch zu tut."
Ein weiterer wichtiger Grund der Verarmung ist die Jugendarbeitslosigkeit, die sich von 1990 bis 2000 sogar noch drastisch von 34% auf 51% erhöht hat. Grundvoraussetzungen für das Erreichen des Millenniumsziels sind eine konsequente Politik zugunsten der Armen, ein umfassender Schuldenerlass sowie eine deutliche Erhöhung des internationalen Entwicklungsengagements in Sambia. Auch Wirtschaftswachstum ist wichtig, denn das durchschnittliche Prokopfeinkommen betrug 2003 nur 380 Dollar im Jahr, wenig mehr als ein Dollar am Tag. Erreicht werden muss Wachstum plus soziale Gerechtigkeit
Ciara Gaynor schreibt in der bereits erwähnten Analyse: "Wenn ein wirklicher Erfolg auf dem Weg zur Erreichung der Millenniumsziele erreicht werden soll, müssen die Strukturen der strukturellen Ungerechtigkeit, die Sambia einschnüren und die Ungleichheit verstärken, identifiziert und beseitigt werden ... So, wie in den letzten Jahren die Armut zugenommen hat, hat auch das Niveau der Ungleichheit zugenommen. 2003 hatten die reichsten 10% der Bevölkerung einen Anteil von 41% am Einkommen, die ärmsten 10% dagegen 1,1%."
Im Blick auf die Überwindung des Hungers sieht es nicht günstiger aus. 47% der Kinder sind in ihrem Wachstum zurückgeblieben (auf dem Lande sogar 52%), meist verursacht durch eine unzureichende Ernährung. Der Anteil untergewichtiger Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren hat sich von 1992 bis 2001/2 noch von 25 auf 28% erhöht. UNICEF kam Mitte 2005 zum Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der sambischen Kinder keine ausreichende und ausgewogene Ernährung hatte. Für eine Halbierung dieser Werte bis 2015 wäre eine grundlegende Veränderung der ökonomischen Situation erforderlich. Die Dürre des Jahres 2005 und die anschließende unzureichende Ernährung von 1,2 Millionen Menschen zeigen, wie groß die Aufgabe noch ist.
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