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Namibia
Ziel 1: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers
Die reichsten 7.000 Einwohner Namibias geben jedes Jahr ebenso viel aus wie die ärmsten 800.000. Unter diesen Reichen sind weiterhin viele Weiße, während die Armut vor allem unter der ländlichen schwarzen Bevölkerung groß ist. Besonders viele schwarze Jugendliche sind von tiefer Armut betroffen, denn die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 40% und ist damit doppelt so hoch wie diejenige älterer Erwachsener. 1995 lebten 34,9% der Bevölkerung in Armut und mussten mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. Die meisten Armen leben in ländlichen Regionen. Wegen fehlender Daten lässt sich noch nicht absehen, ob die Millenniumsziele auf diesem Gebiet erreicht werden. Es wird befürchtet, dass die Ausbreitung von HIV/AIDS den Grad der Verarmung größerer Bevölkerungsgruppen erhöhen wird.
Zur Armutsreduzierung setzt die namibische Regierung u.a. auf ein höheres Wirtschaftswachstum, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie eine Politik im Interesse benachteiligter Gruppen wie Waisenkinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. In der Gesellschaft wächst der Druck in Richtung auf eine Landreform zugunsten der während der Kolonialzeit enteigneten schwarzen Bevölkerungsmehrheit in den ländlichen Gebieten. Die Regierung Namibias hat sich 2005 entschlossen, Farmen von weißen Familien gegen eine angemessene Entschädigung auch dann zu übernehmen, wenn die Eigentümer selbst nicht verkaufen wollen. In den ersten eineinhalb Jahrzehnten Unabhängigkeit hatten lediglich 118 von 4.000 weißen Farmerfamilien ihr Land an den Staat verkauft. Die weißen Farmer kontrollieren weiterhin etwa die Hälfte des landwirtschaftlich nutzbaren Landes.
Ökonomisch und sozial stark marginalisiert sind die San, die sogenannten Buschleute. Auch ihr politischer Einfluss ist gering, was die Durchsetzung legitimer Interessen sehr erschwert. Bei einer Befragung der Commonwealth Foundation nannten San die Armut als ihr größtes Problem, gefolgt vom Mangel an Unterkunft, Essen, Beschäftigung und Schreib- und Lesefähigkeiten. Es wurde auch die Befürchtung geäußert, die San seien vom Aussterben bedroht.
Am 27. April 2005 schlossen sich Organisationen der Zivilgesellschaft zu einer Initiative zur Überwindung von Hunger und Elend in Namibia zusammen. Sie fordern einen "Basic Income Grant" von der Regierung von monatlich umgerechnet etwa 13 Euro im Monat für alle Einwohner Namibias. Zur einfacheren Verwaltung dieses Zuschusses sollen alle Einwohner diesen Betrag erhalten, die Wohlhabenden und Reichen sollen aber zur Finanzierung des Vorhabens zu einer höheren Einkommenssteuer herangezogen werden. Dieses weltweit bisher einzigartige Vorhaben zur Armutsbekämpfung wird u.a. vom Kirchenrat Namibias, vom Gewerkschaftsbund, von der Vereinigung der namibischen Nichtregierungsorganisationen und dem Netzwerk der AIDS-Hilfe-Organisationen getragen. Peter Naholo, der Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes, begründete die Initiative so: "Wenn ein Arbeiter entlassen wird, heißt das ganz einfach Verlust jedes Einkommens. Verlust des Einkommens bedeutet Verlust der Hoffnung. Ohne Hoffnung liegt das Leben in Scherben. Wir müssen ihnen Hoffnung geben, dass es auch nach einer Entlassung Leben gibt."
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