|
|
Mauritius
Ziel 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft
Eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik des Landes plus eine große politische Stabilität haben wesentlich dazu beigetragen, dass Mauritius den Übergang von einer Agrargesellschaft mit der Monokultur Zucker zu einer exportorientierten Volkswirtschaft geschafft hat. Ein Instrument sind Exportproduktionszonen mit niedrigen Steuern und Abgaben. Außenwirtschaftlich erfolgte eine kontrollierte Liberalisierung, die es einheimischen Unternehmen erlaubte, eine stabile Produktions- und Kapitalbasis zu entwickeln, bevor sie dem internationalen Konkurrenzkampf ausgesetzt wurden. Gegenwärtig konzentriert sich die Regierung auf die Förderung eines IT-Sektors einschließlich einer "Cyber-City". Es soll der Übergang von einer arbeitsintensiven in eine kapitalintensive Volkswirtschaft geschafft werden.
Diese Transformation ist deshalb besonders wichtig, als der Tourismus stagniert und die beiden anderen bisherigen Wachstumsmotoren Zucker und Textilien sich in einer Krise befinden. Mauritius verliert wie andere AKP-Staaten wesentliche EU-Handelsvorteile und muss nun auf einem deutlich niedrigen Preisniveau mit Ländern wie Brasilien konkurrieren. Es wird befürchtet, dass dies zur Vernichtung vieler Arbeitsplätze auf Mauritus führen wird. Im Textilbereich hat das Land bis Ende 2004 von einem privilegierten Zugang zu den europäischen und nordamerikanischen Märkten profitiert. Auf Druck der Welthandelsorganisation sind diese Vorteile weggefallen, so dass Länder wie China und Vietnam jetzt die Märkte der westlichen Industriestaaten erobern. Taiwanesische und andere asiatische Investoren, die in Sonderwirtschaftszonen von Mauritus investiert hatten, um von hier aus einen günstigeren Zugang zu den westlichen Märkten zu haben, lassen jetzt in China produzieren, weil dort die Löhne niedriger sind. Auf diese Weise gehen in Mauritus Tausende Arbeitsplätze verloren.
Bisher war die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der sozialen Lage relativ groß. Eine Untersuchung der Commonwealth Foundation im Jahre 2000 ergab, dass vier Fünftel der Befragten der Auffassung waren, dass Mauritus guten wirtschaftlichen Fortschritt mache, die grundlegenden Bedürfnisse befriedigt würden, die Kriminalitätsrate niedrig und das Land politisch sicher sei. Einige Kritiker warfen dem Staat vor, seine Rolle nicht zu erfüllen, weil die Bürokraten korrupt seien und nur ihre eigenen Interessen verfolgen würden. Dass bei den Parlamentswahlen die bisherige Oppositionspartei Labour Party einen deutlichen Wahlsieg erreichte, ist auch aus der schwierigen aktuellen wirtschaftlichen Situation und der Zusage der Sozialdemokraten zu erklären, die Kluft zwischen Arm und Reich abzubauen.
Für den Realismus und eine gewisse Weitsicht der Regierenden spricht, dass sie der Insel Rodrigues, die 500 Kilometer von der Hauptinsel entfernt liegt, 2002 die angestrebte politische Autonomie gewährte. Seither können die Inselbewohner viele politische Entscheidungen selbst treffen. Positiv zu vermerken ist auch, dass Mauritius lediglich 0,2% seines Bruttosozialprodukts für Militärausgaben verwendet, in Südafrika sind es 1,4%, in Deutschland 1,5%. Insgesamt lässt sich sagen, dass Mauritius im Blick auf "good governance" einen Spitzenplatz im Südlichen Afrika einnimmt.
Die Einordnung von Mauritius als "upper-middle income country" hat zu einer drastischen Reduzierung der internationalen Entwicklungshilfeleistungen geführt. 2002 erhielt das Land lediglich 23,9 Millionen Dollar Entwicklungshilfe, 19,8 Dollar pro Einwohner und 0,5% des Bruttosozialprodukts. Trotzdem konnte die Auslandsverschuldung vermindert werden. 8,2% der durch den Export erzielten Deviseneinnahmen mussten 2002 für den Schuldendienst aufgewendet werden, 1990 waren es noch 8,8% gewesen.
Die deutsche Entwicklungshilfestatistik weist für Mauritius 2003 einen Minuswert von 0,35 Millionen Euro aus, bedingt durch die Rückzahlung früherer Kredite. Aus EU-Entwicklungsfonds flossen 2003 6,5 Millionen Euro nach Mauritius.
|
 |
|