Botswana-News
Botswana: Noch viele Arme trotz rascher wirtschaftlicher Entwicklung
Der Anteil der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, hat sich in Botswana von 1993/94 bis 2002/2003 von 47 auf 30 Prozent vermindert, berichtete die Tageszeitung "Mmegi/The Reporter" (Gaberone) am 18. Oktober 2006. Dies ist gemessen am hohen Wirtschaftswachstum Botswanas ein unbefriedigendes Ergebnis, und die Regierung will deshalb neue Initiativen zur Armutsbekämpfung ergreifen.
Auf anderen Gebieten hat Botswana größere Erfolge auf dem Weg zur Erreichung der Millenniumsziele vorzuweisen, geht aus dem Zeitungsbeitrag hervor. So beträgt der Anteil der mangelernährten Kinder lediglich noch vier Prozent, und 85 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren werden regelmäßig in Kinderkliniken untersucht und behandelt. Landesweit hat fast 100 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einer professionellen Gesundheitsversorgung. 2003 besuchten 95 Prozent aller Kinder im Grundschulalter eine Schule. Erfreulich ist auch, dass sowohl in den Primar- als auch in den Sekundarschulen eine Parität von Jungen und Mädchen erreicht wurde.
Sorge bereitet weiterhin die hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung vor allem in den ländlichen Gebieten. Die hohe HIV/AIDS-Verbreitung in Botswana hat die Lebenserwartung deutlich vermindert und löst auch gravierende wirtschaftliche Probleme aus.
Botswana: Mehr HIV/Aids-Test von Kleinkindern erforderlich
UNICEF setzt sich dafür ein, dass mehr Mittel bereitgestellt werden, um zu verhindern, dass immer mehr Kleinkinder in Botswana an HIV/Aids sterben. Wenn es im Lande mehr Testeinrichtungen für Kinder unter 18 Monaten geben würde, könnten mehr betroffene Kinder behandelt und die Kindersterblichkeitsrate vermindert werden. Nach UNICEF-Angaben hat sich die Sterblichkeitsrate von Kleinkindern von 1991 bis 2001 von 17% auf 21% erhöht. Aids-Test von Babies sind sehr teuer und können bisher nur zwei Gesundheitseinrichtungen in Botswana durchgeführt werden. Die Folge ist nach UNICEF-Angaben, dass nur 5.000 der 10.000 bis 20.000 Kleinkinder, die HIV positiv sind, mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden. Eine Untersuchung der "National AIDS Coordinatory Agency" hatte 2004 ergeben, dass 6% der Kleinkinder von 18 Monaten bis 4 Jahren HIV positiv waren. Botswana hat eine der höchsten HIV/Aids-Infektionsraten der Welt. Mehr als ein Drittel der Frauen und Männer im Alter von 15 bis 49 Jahren sind HIV positiv. 73% von ihnen erhalten eine Behandlung, angestrebt wird, diesen Anteil auf 100% zu erhöhen. Die Behandlungskosten werden von der Regierung übernommen. Weitere Informationen zu dieser Thematik finden Sie in einem Bericht der UN-Nachrichtenagentur IRINnews: http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=52886
Die Verantwortung der Männer im Kampf gegen AIDS in Botswana
Botswanas Gesundheitsministerin Sheila Tlou setzt sich dafür ein, Männer bei der AIDS-Aufklärung und -Behandlung stärker einzubeziehen. Dies sei schon deshalb erforderlich, weil Männer die meisten Entscheidungen in der Gesellschaft träfen und zudem das risikoreichere Sexualverhalten zeigten. Die Ministerin äußerte sich am Rande einer HIV/AIDS-Konferenz des UN-Entwicklungsprogramms UNDP in einem ausführlichen Interview mit der Nachrichtenagentur allAfrica.com, das am 1. Februar 2006 veröffentlicht wurde. Sie stellte unter anderem dar, dass Männer in Botswana sehr viel stärker als Frauen zögerten, AIDS-Tests zu machen und sich anschließend an einer ARV-Behandlung zu beteiligen, die den Ausbruch der Krankheit zwar nicht verhindern, aber verzögern kann. Die Ministerin sagte im Interview: "60% der Menschen, die eine ARV-Behandlung in Anspruch nehmen, sind Frauen, 15% sind Kinder. Das bedeutet, dass sich nur zu 25% Männer beteiligen. Die Ergebnisse kann man sehen, wenn man Krankenhäuser besucht. Die Männerstationen sind überfüllt, während es in den Frauenstationen leere Betten gibt." Die ARV-Therapie erlaube es, 15 oder 20 Jahre mit HIV/AIDS zu leben. Bei der AIDS-Prävention sei es von großer Bedeutung, die Häuptlinge für die Beteiligung am Kampf gegen diese Krankheit zu beteiligen, weil sie in der Lage seien, das ganze Dorf zu überzeugen. Einfluss haben auch die Parlamentsmitglieder, und das sind weiterhin vor allem Männer. Die Abgeordneten für Gender-Fragen in Zusammenhang mit HIV/AIDS zu sensibilisieren habe auch den Effekt, die Durchsetzung von Gesetzen gegen die Diskriminierung von Frauen zu erleichtern. Die Ministerin berichtete in dem Interview von einer parlamentarischen Initiative: "Der Parlamentsausschuss zu HIV/AIDS hat einen langen Marsch durchs Land durchgeführt und bei jedem Stopp sichergestellt, dass die Männer auf dem "kgotla", dem traditionellen Versammlungsplatz der Entscheidungsträger, zusammenkamen, um ihren HIV-Status testen zu lassen. Auf diese Weise haben sich Hunderte, vielleicht Tausende testen lassen. Nach 200 Kilometern endete der Marsch in Gaberone". Auch am Rande von Fußballspielen werden AIDS-Tests für Männer durchgeführt. Der Nationale AIDS-Rat unter Führung von Präsident Festus Mogae versuche auch, Männer in Militär und Polizei über AIDS zu informieren und für Tests zu gewinnen, berichtete die Ministerin. Es gäbe inzwischen auch Nichtregierungsorganisationen, die sich gezielt um die AIDS-Aufklärung von Männern bemühten. Im Blick auf die häusliche Pflege von AIDS-Kranken seien Erfolge erzielt worden: "Der Staat und Nichtregierungsorganisationen mussten intervenieren, um sicherzustellen, dass die Last der Pflege nicht allein von Frauen und Mädchen getragen wird, sondern dass die Männer sich daran beteiligen. Ich kann gegenwärtig nicht sagen, dass Männer sich zu 50% an der Pflege beteiligen. Aber sie beteiligen sich doch in erheblichem Umfang, ich würde sagen zu 30 bis 40%. " Die hohen Kosten für Aufklärung und vor allem Behandlung hat Auswirkungen auf die Regierungsausgaben. Die Ministerin sagte im Interview: "Als Ergebnis unser Aufwendungen im Bereich HIV/AIDS muss eine ganze Reihe von Entwicklungsprojekten gestoppt werden, zum Beispiel Schulen und Krankenhäuser. Gegenwärtig benötigen wir zusätzlich sechs lokale Gesundheitszentren und Krankenhäuser, aber bisher sind diese Vorhaben verschoben worden. "
Wieder Schulgebühren in Botswanas Sekundarschulen
Im Januar 2006 hat die Regierung Botswanas die vor zwei Jahrzehnten abgeschafften Schulgebühren für die Sekundarschulen wieder eingeführt. Betroffen davon sind etwa 170.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von etwa 13 bis 18 Jahren. Bisher war Botswana das einzige afrikanische Land, in dem der Sekundarschulbesuch kostenlos war. Martina Schikowski berichtete in der "tageszeitung" vom 19. Januar 2006, dass von den Eltern jetzt ein Anteil von fünf Prozent der Kosten des Unterrichts eingefordert wird, das sind umgerechnet zwischen 54 und 81 US-Dollar, im Technikon sogar 136 Dollar. Familien mit einem niedrigen Einkommen sollen weniger zahlen.
Badumetse Hobona vom Erziehungsministerium begründete die Einführung der Schulgebühren so: "Jeder sagt uns, wir sind reich und können alles bezahlen. Botswana ist ein Land mit mittlerem Einkommen, und wir geben mehr als 20 Prozent des Gesamthaushaltes für Erziehung aus." Die Regierung erhält hohe Abgaben und Steuereinnahmen aus der Diamantenwirtschaft. Die Konsequenz ist aber, dass die internationale Entwicklungshilfe etwa für den Bildungssektor stark zurückgegangen ist.
Aber mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag. Otsweletse Moupo, Präsident der Oppositionspartei "Botswana National Front", wird in der "tageszeitung" so zitiert: "Die meisten Leute leben in Armut, sie können keine neue Schulgebühr bezahlen. Eltern werden ihre Kinder, besonders Mädchen, nicht mehr zur Schule schicken." Eine Arbeitslosigkeit von etwa 25 Prozent trage zur Verschlechterung der Lage bei.
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