Die Millenniums-Entwicklungsziele
im Südlichen Afrika



Angola

Angola gehört zu den afrikanischen Ländern, die in den letzten Jahrzehnten erleben mussten, dass ihr Reichtum an Bodenschätzen konfliktverschärfend wirkte. Zunächst verzögerte Portugal die Dekolonisierung, um weiterhin von den Öl- und Diamantenexporten zu profitieren. Nach dem überstürzten portugiesischen Rückzug 1975 brach ein Bürgerkrieg aus, bei dem die Konfliktparteien ihren jeweiligen Militärapparat aus Exporterlösen finanzierten. Nach mehr als drei Jahrzehnten Krieg herrscht seit 2002 Frieden in Angola, aber der Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes wird lange dauern, und dies wird die Verwirklichung der Millenniumsziele sehr erschweren.

Der nun ungehinderte Öl- und Diamantenexport hatte zum Ergebnis, dass die Wirtschaft Angolas 2004 real (nach Abzug der Inflation) um mehr als 11% wuchs, ein afrikanischer Spitzenwert. 2004 trugen Erdöl- und Diamantenausfuhren zu 99,4% zu den Exporterlösen bei. Die Staatseinnahmen belaufen sich gegenwärtig auf mehr als sieben Milliarden Dollar. Steigende Mineralölpreise lassen erwarten, dass die Exporterlöse des Landes und die Einkünfte der Regierung weiter steigen werden. Dennoch kam das UN-Entwicklungsprogramm UNDP im Mai 2005 zum Ergebnis, "dass Angola nicht auf dem Weg ist, bis 2015 die Millenniums-Entwicklungsziele zu erreichen".

Das wirft Fragen nach "good governance" auf. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass Angola sich nach einem langen Unabhängigkeitskampf und anschließenden Bürgerkrieg in einer schwierigen Wiederaufbauphase befindet. So ist außerhalb von Luanda und einigen anderen Städten die Infrastruktur weitgehend zerstört. Die Weltbank schätzt, dass für den Wiederaufbau von Straßen, Brücken, Schulen, E-Werken etc. bis zu 30 Milliarden Dollar erforderlich sein werden. Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, ein angemessenes Verhältnis der Ausgaben für die Infrastruktur und Ausgaben, die gezielt dem ärmsten Teil der Bevölkerung zugute kommen, zu erreichen. Ein Bericht des UN-Informationsdienstes über Angola vom Mai 2005 trägt den Titel "Angolas Armen warten weiterhin darauf, dass die Friedensdividende bei ihnen ankommt". Zu den vielen begonnenen Vorhaben gehört die Beseitigung von Landminen. Es wurden etwa 4,75 Millionen Minen gelegt, die riesige landwirtschaftliche Flächen und 26.000 Kilometer Straßen und Wege unpassierbar gemacht haben. Ihre Räumung wird mindestens 285 Mio. Dollar kosten. Allein 2005 werden für die Beseitigung der Minen 88 Mio. Dollar aufgewendet. Der Koordinator des Nationalen Minenbeseitigungsinstituts, Balbina Dias de Silva, wies Anfang 2005 darauf hin, dass noch immer große fruchtbare Regionen Angolas wegen der Minen nur unter großen Gefahren betreten werden können und dass die Zahl der Opfer von Minenexplosionen zugenommen hat. Vor allem aus dem Ausland zurückgekehrte Flüchtlinge leben in Camps, die von minengefährdeten Gebieten umgeben sind. Eine Verwirklichung von Millenniumszielen in Angola setzt voraus, dass das Programm zur Beseitigung der Minen erfolgreich abgeschlossen wird.

Politisch wird viel vom Ablauf der für 2006 geplanten ersten demokratischen Wahlen abhängen. Ein Hindernis im Aufbauprozess sind die starken Spannungen, die dadurch entstehen, dass die rohstoffreichen Provinzen einen hohen Anteil an den Erlösen von Öl und Diamanten einfordern, während die Armut gerade in den rohstoffärmeren Teilen des Landes groß ist. Die anhaltenden Kämpfe in der Enklave Cabinda nördlich des Kongo-Flusses zeigen, wie destabilisierend sich solche Konflikte auswirken können.

Angola hat etwa 14 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung wächst jährlich um 2,9%, einer der höchsten Werte in Afrika (in Mosambik sind es 1,5%). Beim Human Development Index nimmt Angola lediglich Platz 160 von 177 bewerteten Ländern ein, 34 Positionen schlechter als der Rang des Landes entsprechend der Höhe des Prokopfeinkommens ist. Unter Berücksichtigung des Reichtums des Landes an Erdöl und Diamanten ist der HDI-Wert extrem niedrig. Das wirkt sich sehr negativ auf das Leben der Menschen in Angola aus. So beträgt die Lebenserwartung lediglich 40,8 Jahre.

UNDP-Daten zu den Millenniumszielen in Angola:
Zusatzinfo 1
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Weltbank-Daten zu den Millenniumszielen in Angola:
Zusatzinfo 2

Weitere Informationen zu Angola finden Sie auf der Webseite der
Informationsstelle Südliches Afrika.

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