Die Millenniums-Entwicklungsziele
im Südlichen Afrika



SADC Region

Zum Stand der Umsetzung der Millenniumsziele im Südlichen Afrika

Referat von Frank Kürschner-Pelkmann bei einer KOSA-Tagung zu den Millenniumszielen am 1. April 2006

Die nachfolgende Übersicht zu den Millenniumszielen kann nur annäherungsweise darstellen, welche Perspektiven in den einzelnen Ländern im Südlichen Afrika bestehen, die Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen. Berücksichtigt werden alle Mitgliedsstaaten der SADC, der Wirtschaftsunion im Südlichen Afrika.

Es gibt in vielen dieser Länder keine verlässlichen statistischen Daten, angefangen mit der Bevölkerungszahl. Auch das Prokopfeinkommen kann oft nur geschätzt werden. Zudem spielen politische Interessen bei der Zusammenstellung der offiziellen Statistiken eine Rolle. Ungünstige Daten auf einigen Gebieten können die Aussicht erhöhen, vermehrt Entwicklungsgelder zu erhalten, günstige Daten können dazu führen, von der Liste der Länder gestrichen zu werden, die prioritär gefördert werden. Im Lande selbst gilt es gleichzeitig, eine Erfolgsbilanz vorzulegen – jedenfalls dann, wenn eine Regierung schon länger im Amt ist. Es kann deshalb nicht überraschen, dass verschiedene statistische Angaben (etwa von nationalen Regierungen, Weltbank, UNDP und unabhängigen Forschungseinrichtungen) sehr stark voneinander abweichen.
Ein generelles Problem ist, dass Länder der Erreichung der Millenniumsziele rascher näher kommen, die im Basisjahr 1990 unter einem Bürgerkrieg litten oder aus anderen Gründen zu diesem Zeitpunkt besonders ungünstige Kennziffern aufwiesen. Dies betrifft zum Beispiel Angola und Mosambik, in denen zu diesem Zeitpunkt Bürgerkriege herrschten. Nach dem Ende der Bürgerkriege verbessern sich viele Werte der Millenniumsziele deutlich. Nachbarländer, die eine kontinuierlichere Entwicklung aufweisen, hatten 1990 schon bessere Werte erreicht und nun paradoxerweise schlechtere Aussichten, auf dieser Basis die Millenniumsziele zu erreichen, etwa die Halbierung der Zahl der Armen. Das besagt aber wenig über die reale Lebenssituation in den beiden Gruppen von Ländern.
Die Millenniumsziele berücksichtigen nicht die Beziehung zwischen durchschnittlichem Prokopfeinkommen und dem Erreichen sozialer Ziele. Rohstoffreiche Länder wie Botswana und Namibia haben sehr viel bessere Aussichten, die Ziele zu verwirklichen, könnten aber gemessen am Volkseinkommen sehr viel mehr tun als Länder wie Tansania. Das Erreichen der Millenniumsziele kann also Ländern mit vielen Rohstoffen und einem hohen Prokopfeinkommen ein falsches Erfolgsgefühl auslösen.

Die Millenniumsindikatoren werden oft nur global betrachtet, was zulasten der Menschen in kleineren Ländern geht, denen bisher zum Beispiel lebensnotwendige Gesundheits- und Bildungsangebote vorenthalten werden. Meist bleiben auch große regionale Unterschiede innerhalb einzelner Länder bei der Betrachtung ausgeklammert. Ein Beispiel für solche Diskrepanzen ist Mauritius. Während die Millenniumsziele im Landesdurchschnitt und auf der Hauptinsel Mauritius weit gehend erreicht werden, sieht die Situation auf der kleineren Insel Rodriguez sehr viel ungünstiger aus. Ein weiteres Problem besteht darin, dass das Ziel 8 relativ vage formuliert ist und keine messbaren Verpflichtungen für die westlichen Geberländer und für eine Veränderung weltwirtschaftlicher Strukturen enthält. Gerade auf diesen Gebieten müsste aber viel geschehen, um das Erreichen der übrigen Millenniumsziele zu ermöglichen. Es besteht die Gefahr, sich auf die Zahlen und Daten der anderen Millenniumsziele zu konzentrieren und darüber den Beitrag der Industrieländer für die Erreichung der Millenniumsziele zu vernachlässigen.

Versucht man, Prognosen für das Jahr 2015 zu machen, stößt man auf weitere Probleme, insbesondere in gegenwärtig politisch instabilen Staaten wie der DR Kongo. Eine Befriedung des Landes würde die Aussichten stark erhöhen, zumindest einzelne Millenniumsziele zu erreichen. In Ländern wie Simbabwe wird sehr viel davon abhängigen, ob es gelingt, eine verantwortungsbewusstere Politik durchzusetzen. Bei deutlich verbesserten politischen Verhältnissen bestehen durchaus Aussichten, verschiedene Millenniumsziele noch zu erreichen. Trotz dieser Einschränkungen können die Millenniumsziele als Ansporn dafür dienen, eine umfassende Entwicklung in den ärmeren Ländern des Südens einzuleiten. Die Übersicht beruht auf einer Analyse unterschiedlicher Berichte und Daten und gibt nach Möglichkeit die plausibelste Perspektive wieder. Durch die Übersicht werden gravierende soziale Probleme sichtbar, so zum Beispiel im Blick auf die erschreckende Höhe der Müttersterblichkeit in vielen Ländern. Die folgende Übersicht (MDG-UmsetzungSADCSchaubild) kann dazu veranlassen, mehr zu tun, damit es in den Ländern im Südlichen Afrika gelingt, die Millenniumsziele zu verwirklichen.

Generelle Tendenzen

Das Südliche Afrika gehört zu den Regionen der Welt, wo die größten Probleme bestehen, die Millenniumsziele zu erreichen. Es gibt eine Reihe von Ländern, die beachtliche Erfolge auf diesem Weg erzielt haben, darunter Botswana, Mauritius und Sambia. Demgegenüber sind andere Länder weit von der Erreichung der Ziele entfernt, so die D R Kongo, Simbabwe und Swasiland. Der Schwerpunkt dieser Darstellung wird auf der Frage liegen, in welchem Maße es gelingen kann, die einzelnen Ziele zu erreichen.

Ziel 1 Halbierung der Zahl der Armen und Hungernden

Es fällt auf, dass etwa die Hälfte der Länder des Südlichen Afrika dieses grundlegende Ziel bis 2015 voraussichtlich nicht erreichen wird. Darunter ist eine Reihe von Ländern, in denen der Grad von Armut und Hunger besonders gravierend ist wie die DR Kongo und Swasiland. Mehrere der betroffenen Länder haben eine wenig verantwortungsbewusste politische Führung, so DR Kongo, Simbabwe und Swasiland. Aber auch einzelne verantwortungsbewusstere Regierungen wie in Tansania können offenbar nicht verhindern, dass das Ziel verfehlt wird. Armutsbekämpfung ist offenkundig ein sehr komplexer Prozess, dessen Erfolg von vielen Faktoren abhängt. Woran liegt es, dass der Hunger im Südlichen Afrika weiterhin so weit verbreitet ist? Anfang 2006 hat der BBC-Afrikaexperte Martin Plaut eine Analyse der Ursachen vorgenommen. Neben den Klimaveränderungen hat er vier Ursachenbereiche identifiziert:

- Fehlende staatliche Investitionen im ländlichen Raum,
- Kriege und politische Konflikte (16 Millionen offiziell anerkannte Flüchtlinge),
- Auswirkungen von HIV/Aids,
- Unkontrolliertes Bevölkerungswachstum (2,2% im Jahr).

Das Verfehlen des ersten Millenniumsentwicklungsziels behindert auch die Erreichung aller anderen Ziele. Auf der anderen Seite kann Sambia als ein positives Beispiel dafür angesehen werden, wie eine Reduzierung von Hunger und Armut auch Verbesserungen auf vielen anderen Gebieten ermöglicht.

Für die SADC-Staaten gibt es keinen verlässlichen regionalen Überblick zur Entwicklung von Armut und Hunger. Für die gesamte Region Afrika südlich der Sahara enthält der „UN-Millenniums Development Report 2005“ Daten, die vermutlich auch repräsentativ für das Südliche Afrika sind. Nach dem UN-Bericht betrug der Anteil der Menschen in Afrika südlich der Sahara, die mit weniger als einem Dollar am Tag leben müssen 1990 41,6%. Bis 2001 stieg dieser Anteil auf 46,4%. Zu beachten ist, dass durch das Bevölkerungswachstum die absolute Zahl der Armen sogar noch stärker gestiegen ist. Beunruhigen muss, dass nicht nur die Zahl dieser Menschen steigt, sondern dass ihr durchschnittliches Einkommen zudem gesunken ist. Es betrug 1990 etwa 0,62 Dollar, 2001 waren es nur noch 0,60 Dollar. Der Anteil der hungernden Menschen im Südlichen Afrika hat sich seit Anfang der 1990er Jahre leicht von 36 auf 33% vermindert, aber noch immer sind über 30% der Kinder unterernährt.

Ziel 2 Verwirklichung der Allgemeinen Primarschulbildung

Auf diesem Gebiet sind in den letzten Jahren große Erfolge erzielt worden. In den meisten Ländern werden 2015 alle oder doch fast alle Kinder eingeschult werden. Zwei Einschränkungen sind zu machen: Die drop-out-Rate (also die Rate der Kinder, die vorzeitig den Schulbesuch abbrechen) ist in vielen Ländern sehr hoch, und die Qualität des Unterrichts hat  z.T. weiter abgenommen, weil die Klassen noch größer werden. In Mosambik hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler pro Klasse auf durchschnittlich 50 erhöht, mancherorts sitzen aber auch mehr als 70 Kinder in einer Klasse. Viele Lehrerinnen und Lehrer sind schlecht ausgebildet. Die Regierung von Mosambik will jetzt zusätzliche Lehrer durch eine Kurzzeitausbildung gewinnen, was aber vermutlich zulasten der Qualität geht. Hinzu kommt, dass das Land ab 2010 bis zu 10.000 Lehrerinnen und Lehrer im Jahr durch HIV/Aids verlieren wird, wenn es nicht gelingen sollte, die Ausbreitung der Krankheit rasch zu stoppen.
In Namibia ist das Problem der unterschiedlichen Qualität der Schulen besonders groß. Den früher rein weißen Elite-Schulen stehen viele ländliche Schulen, die fast nur von schwarzen Kindern besucht werden, ohne ausreichend Klassenräume und ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern gegenüber. Viele dieser Lehrer haben zum Beispiel selbst keine ausreichenden Englischkenntnisse, was die Aussichten der Kinder auf einen Primar- oder Sekundarschulabschluss minimiert, die Englischkenntnisse voraussetzen. Erfreulich ist immerhin, dass in Afrika südlich der Sahara der Anteil der Kinder im Grundschulalter steigt, die tatsächlich eine Schule besuchen. 1990 waren es erst 54%, 2001 immerhin schon 62%, und diese Werte gehen weiter nach oben. Es kann also erwartet werden, dass 2015 die meisten Kinder eine gewisse Grundschulbildung erhalten. Mädchen profitieren von diesen verstärkten Bildungsangeboten besonders, nachdem sie Jahrzehnte lang stark benachteiligt waren, wenn nur ein Teil der Kinder eine Familie zur Schule gehen konnte.
Unter den Ländern, wo die Kinder besonders schlechte Bildungsmöglichkeiten haben, sind die DR Republik Kongo, Simbabwe und Swasiland. Hier werden einer weiteren Generation weit gehend die Bildungschancen geraubt. Dafür als Beispiel Swasiland. Dort besuchten1990 79,7% der Kinder eine Primarschule, 1998 waren es nur noch 70,1%, aktuelle Zahlen fehlen. An diesem Beispiel wird ein grundlegendes Problem deutlich: Die Kinder leiden nicht nur unter der Armut ihres Landes und einer verantwortungslosen Regierungspolitik, sondern auch darunter, dass die Beziehungen zu den Geberstaaten nachhaltig gestört sind. Es gibt kaum ausländische Gelder für Entwicklungsprogramme – und die Kinder leiden in einer Art „Sippenhaft“ mit darunter. Solche Probleme müssen sehr viel stärker in der Diskussion über die Millenniumsziele berücksichtigt werden.
Wie groß die Reformaussichten im Bildungssektor sind, dafür ist Madagaskar ein Beispiel. 2002 wurden die Schulgebühren für die Primarschulen abgeschafft. In Zusammenarbeit mit UNICEF hat die Regierung parallel vor allem folgende Schritte unternommen: - Bau neuer Klassenräume, - Ausbau der Lehrerausbildung, - Bereitstellung von zusätzlichem Unterrichtsmaterial wie Kreide und Hefte. Inzwischen besuchen 98% aller Kinder im Grundschulalter eine Schule, vor 2002 waren es erst 82 gewesen. Der UNICEF-Repräsentant in Madagaskar spricht von einer „dramatischen Zunahme des Zugangs zu Bildung“. Zwei Probleme bleiben allerdings: Die Qualität des Unterrichts ist regional sehr unterschiedlich; und da die Sekundarschulen bei weitem nicht im gleichen Maße ausgebaut werden, wird sich in einigen Jahren die Frage stellen, was aus den meisten der Absolventen der Primarschulen wird. Immerhin ist Madagaskar dem Ziel „Bildung für alle“ einen großen Schritt näher gekommen.

Ziel 3 Förderung der Gleichheit der Geschlechter und Ermächtigung der Frauen

Dieser Indikator ist besonders schwer zu bewerten. Es kann aber festgestellt werden, dass eine Reihe von Ländern bedeutende Schritte in Richtung auf die Gleichberechtigung gegangen sind. Ein Indikator ist der steigende Frauenanteil in vielen Parlamenten. In den meisten Parlamenten im Südlichen Afrika steigt er, liegt aber noch zwischen 10 und 20%. Die SADC-Staaten haben vereinbart, in den Parlamenten einen Frauenanteil von 30% zu erreichen. Diesen Wert hat Mosambik mit 35% Frauenanteil bereits überschritten. In Lesotho beträgt der Frauenanteil im Parlament etwa 17%, für die nächsten Wahlen ist aber ein Quotensystem eingeführt worden, sodass der Frauenanteil auf ein Drittel steigen wird. Das durchschnittliche Einkommen von Frauen liegt in vielen Ländern der Region nur bei etwa der Hälfte des Einkommens von Männern. Die schlechteren beruflichen Möglichkeiten von Frauen werden schlaglichtartig am Beispiel von Malawi deutlich, wo nur ein Achtel aller leitenden Positionen im Staatsdienst mit Frauen besetzt sind.

Erfreulich ist demgegenüber, dass in einigen Ländern das Erbrecht zugunsten der Frauen verändert worden ist. Es bedarf – besonders in ländlichen Gebieten – immer noch großer Entschlossenheit und Energie, diese Rechte tatsächlich durchzusetzen, aber sie können inzwischen eingeklagt werden. Trotzdem bleibt die Benachteiligung der Frauen ein zentrales Hindernis für eine umfassende menschliche Entwicklung im südlichen Afrika. Besonders gravierend wirkt sich die vielerorts noch zunehmende Gewalt gegen Frauen aus. So gibt es in Südafrika jedes Jahr mindestens 1,5 Millionen Vergewaltigungen. Das Thema der Gewalt gegen Frauen (und Kinder) taucht unter den Millenniumszielen nicht auf. Es ist aber offenkundig von sehr großer Bedeutung, wenn es um die Verteidigung der Würde und der Menschenrechte der Frauen geht.

Ziel 4 Senkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel

1992 starben in Malawi 234 von 1000 Kindern, bevor sie das Alter von fünf Jahren erreichten, 2002 waren es noch 183. Das ist ein Erfolg, aber das Land ist noch sehr weit von der Erreichung des Millenniumsziels entfernt. In vielen anderen Ländern der Region sieht es nicht wesentlich besser aus. In Afrika südlich der Sahara sterben 172 von 1.000 Kindern vor ihrem fünften Geburtstag. In Simbabwe hat die Kindersterblichkeit von 1990 bis 2002 sogar um etwa 50% zugenommen. Erwähnt werden muss außerdem, dass viele der überlebenden Kinder dauerhaft unter den Folgen von Hunger und Mangelernährung leiden. Äußerlich ist dies sichtbar durch ein geringeres Längenwachstum, aber auch die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten nimmt zu. Es sind umfassende Maßnahmen von der Verbesserung der Gesundheitsversorgung bis zu einer ausreichenden und ausgewogenen Ernährung erforderlich, um die Kindersterblichkeit deutlich zu vermindern Daran scheitern die meisten Länder im Südlichen Afrika bisher. Es gibt kein Ziel, dass im Südlichen Afrika so weit von der Verwirklichung entfernt ist wie dieses. Das hat für Millionen Kinder tödliche Folgen.

Ziel 5 Senkung der Müttersterblichkeit um zwei Drittel

Verschiedene Länder beweisen, dass eine zielgerichtete Gesundheitspolitik entscheidend dazu beiträgt, dieses Ziel zu erreichen. Dazu gehört die gesundheitliche Betreuung werdender Mütter und die Begleitung der Geburten durch fachkundiges Gesundheitspersonal. Wo dies fehlt, stirbt wie in der DR Kongo eine von 100 Müttern bei der Geburt des Kindes. Eine Frau, die 10 Kinder zur Welt bringt, hat also ein Risiko von 1:10, bei einer der Geburten zu sterben. Dieser extrem hohe Wert lässt sich nach einer Befriedung des Landes und den Aufbau von Gesundheitseinrichtungen rasch deutlich vermindern. Aber auch wenn das Millenniumsziel so statistisch gesehen erreicht werden sollte, würde die Müttersterblichkeit dramatisch hoch bleiben. In Tansania hat sich die Müttersterblichkeit zwischen 1996 und 2005 um etwa 10% erhöht und liegt nun bei fast 6 von 1.000 Frauen, die ein Kind zur Welt bringen. Der Anteil hat zugenommen, obwohl es in Tansania eine kostenlose Gesundheitsbetreuung für Frauen während der Schwangerschaft und kostenlose Moskitonetze für sie gibt. Als ein Grund für die Probleme wird der große Mangel an medizinischen Fachkräften in ländlichen Gebieten diagnostiziert. Hinzu kommen Mangelernährung der Mütter, HIV und Malaria. Länder wie Mauritius beweisen, welche Bedeutung ein ausreichend hohes Prokopfeinkommen und "good governance" für die Erreichung dieses Millenniumsziels haben. Hier beträgt die Müttersterblichkeit nicht einmal ein Fünftel des Wertes des Kongo, und das Millenniumsziel ist bereits erreicht.

Ziel 6 Das Anwachsen von HIV/Aids und andere Krankheiten zum Stillstand bringen

Auf diesem Gebiet sind Prognosen besonders schwierig. Die Zahlen haben sich in den letzten Jahren rasch verändert, und es ist unklar, wie sie sich in den kommenden 10 Jahren entwickeln werden. Es lässt sich aber sagen, dass die meisten Länder der Region erhebliche Erfolge im Kampf gegen die Ausbreitung von HIV/Aids sowie Krankheiten wie Malaria erzielt haben. Aber immer noch sind in verschiedenen Ländern 30% der jüngeren Erwachsenen HIV positiv oder bereits an Aids erkrankt. Das führt zu unendlichem Leid für die betroffenen Menschen und ihrer Verwandten und gleichzeitig zu enorm großem ökonomischen Schaden. Das wiederum erschwert das Erreichen anderer Millenniumsziele. Neben HIV/Aids sind auch die Folgen der Erkrankung vieler Millionen Menschen an Tuberkulose und Malaria zu beachten. In Sambia gehen 47% aller Todesfälle auf Malaria zurück. 40% des Gesundheitsetats werden für die Behandlung von Malaria-Patienten aufgewendet. Es gibt jetzt eine Initiative, 80% der Bevölkerung mit Maßnahmen zur Malaria-Vorbeugung zu erreichen. Neben der Verteilung von Moskitonetzen geht es vor allem um Bildungsprogramme zu vorbeugenden Maßnahmen. Daran werden u.a. auch Kirchen und traditionelle Heiler beteiligt. Solche Initiativen sind um so wichtiger, als eine neue Studie nachgewiesen hat, dass die globale Klimaerwärmung zu einer weiteren Ausbreitung von Malaria im Südlichen Afrika führen wird, wenn nicht entschiedene Schritte unternommen werden.

Ziel 7 Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

Ein „Ja“ oder „Nein“ hat auf diesem Gebiet nur eine begrenzte Aussagekraft. Ein wichtiger Indikator ist die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser. Bei der Verwirklichung dieses Ziels haben Länder wie Südafrika und Botswana erhebliche Erfolge erzielt. Auch in anderen Ländern gibt es inzwischen große Anstrengungen auf diesem Gebiet. Weltweit und in der Region wird lebhaft und kontrovers über die richtigen Konzepte zur Erreichung des Ziels debattiert. In Dar es Salaam gibt es eine große Kritik an der von Weltbank und Internationalem Währungsfonds erzwungenen Privatisierung der Wasserversorgung. Die Leistungen der privaten Betreiber waren so unzureichend, dass die Versorgung inzwischen rekommunalisiert wurde. Insgesamt betrachtet besteht die Gefahr, dass ein Großteil der begrenzten Gelder für Wasservorhaben in die Sanierung bestehender Versorgungssysteme fließt. Die Bewohner von Slumgebieten und ländlichen Gebieten würden dann weit gehend leer ausgehen. Noch schwieriger ist in vielen Ländern die sanitäre Situation. Um dieses „anrüchige“ Thema wird in Diskussionen über lokale und nationale Prioritäten oft ein weiter Bogen gemacht.
Südafrika hat große Erfolge auf diesem Gebiet erzielt und will bis spätestens 2008 für die gesamte Bevölkerung eine sanitäre Entsorgung bereitstellen. Das ist einer der großen Erfolge der Nach-Apartheidszeit. Umweltschutzorganisationen wie Earthlife Africa stellen kritische Fragen an die offizielle Erfolgsbilanz. So würden viele der neu geschaffenen Toilettenhäuschen von den Kommunen nicht wie vorgesehen regelmäßig geleert. Das verursache große Gesundheitsrisiken. Auch die Aufforstungserfolge seien zu relativieren, wenn überwiegend Monokulturen schnell wachsender Bäume angelegt würden.
In der Frage des Schutzes der natürlichen Reichtümer ist Madagaskar als ein sehr positives Beispiel zu erwähnen. Das Land hat die ausgewiesenen Naturschutzgebiete binnen kurzer Zeit von 3 auf 10% der Fläche des Landes vergrößert. Gleichzeitig wird energischer gegen illegale Abholzung und Brandrodung vorgegangen. Madagaskar hofft jetzt auf große Einnahmen aus dem Öko-Tourismus. Sehr viel schwieriger ist die ökologische Situation in Lesotho. Das Land exportiert große Mengen Wasser nach Südafrika. Dafür wurden bereits mehrere große Staudämme im Rahmen des Lesotho Highland Water Project gebaut, von denen aus das Wasser durch große Rohrsysteme nach Südafrika geleitet wird. Gleichzeitig leiden die Hauptstadt Maseru und verschiedene ländliche Gebiete zunehmend unter Dürre und Wassermangel. Verschärft werden die Probleme durch eine dramatisch zunehmende Verschlechterung der Bodenqualität. Lesotho verdient zwar 30 Millionen Dollar im Jahr durch den Wasserexport nach Südafrika, aber den Preis dafür zahlt vor allem die ländliche Bevölkerung.

Ziel 8 Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

Unter diesem Ziel sind gleich 7 sehr unterschiedliche Zielvorgaben zusammengefasst. Für die Übersicht wurde die Frage einer beiderseits verantwortungsbewussten Entwicklungszusammenarbeit ausgewählt. Zwei Problemfelder sind hier besonders zu nennen: Länder mit einem wachsenden Sozialprodukt wie Botswana erhalten drastisch weniger Entwicklungsgelder. Aus der Sicht der Regierungen dieser Länder sind aber viele strukturelle Probleme noch nicht gelöst, sodass weitere Gelder aus dem Ausland erforderlich wären. Außerdem gibt es eine Reihe von Ländern, wo die Zusammenarbeit zwischen den Regierungen und den Geberländern sowie anderen finanzierenden Einrichtungen erheblich gestört ist.
Angola will gegenüber den Geberländern keine Rechenschaft ablegen über die Verwendung der Einnahmen aus Öl- und Diamantenverkäufen. Das wird als eine Frage der nationalen Souveränität angesehen. Regierungen der Geberländer und internationale Finanzierungsorganisationen haben hingegen den Verdacht, dass die fehlende Transparenz mit einer Zweckentfremdung eines Teiles dieser Gelder zusammenhängt. Die Regierung von Simbabwe hat aus verschiedenen Gründen ein zerrüttetes Verhältnis zu diversen westlichen Regierungen. Swasiland erhält weniger Entwicklungsgelder als vergleichbare Länder, weil der sehr verschwenderische Lebensstil des Königs immer wieder die Frage nach „good governance“ aufwirft.

Ein wichtiges Thema sind die Auswirkungen der ungleichen und aus Sicht vieler ungerechten internationalen Wirtschaftsstrukturen auf die Erreichung der Millenniumsziele. Negativ wirken sich zum Beispiel Veränderungen auf den globalen Textil- und Zuckermärkten auf das Südliche Afrika aus. Diese Länder haben kaum Einfluss auf die Verhandlungen in der WTO oder gar auf bilateraler Ebene zwischen europäischen und ostasiatischen Ländern, sind aber direkt betroffen, wenn zum Beispiel Exportquoten für China aufgehoben oder verändert werden und als Folge Textilfabriken in Ländern wie Lesotho schließen. Als eine Initiative will ich hier die  StopEPA-Kampagne gegen unfaire Freihandelsabkommen nennen, an der sich KOSA beteiligt.

Zusammenfassung

Ohne entschiedene Schritte werden die meisten Länder im Südlichen Afrika viele wichtige Millenniumsziele bis 2015 nicht erreichen. Erforderlich sind viele Maßnahmen in den Ländern selbst, u.a. ist hier das Stichwort „good governance“ wichtig. Gleichzeitig müssen die Entwicklungsgelder für Maßnahmen zur Erreichung der Millenniumsziele drastisch erhöht werden, und es sind weltwirtschaftliche Veränderungen zugunsten der Länder des südlichen Afrika dringend geboten. Die Maßnahmen zum Schuldenerlass in den letzten Jahren war ein Schritt zur Verwirklichung der Millenniumsziele, dem weitere folgen müssen. Die entscheidende Frage im Blick auf das Engagement der westlichen Staaten für die Erreichung der Millenniumsziele lautet: Geschieht zu wenig und dies zu spät?

 
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